Holzlexikon, gigante 2

Ulme, Rüster (Ulmus spp.)
trifft man hauptsächlich in der nördlich gemäßigten Zone an, südlich bis Mexiko und bis zum Himalaya. Der mittelgroße Baum erreicht Höhen zwischen 20 und 30m und sein Stamm ist im Bestandsschluss meist geradschäftig und zylindrisch; im Freistand mit tief angesetzten, breit ausladenden Kronen und entsprechend gering nutzbarer Stammlänge. Krümmungen, Unrundheit, Drehwuchs, Zwieselwuchs, unvollständige Verkernung, Insektenbefall im Splint und unregelmäßiger Faserverlauf sowie Kernfäule (bei alten Bäumen) können die Holzqualität und Nutzung beeinträchtigen. Als Symbol der Trauer wurde sie bei den Griechen in Totenhainen gepflanzt. Die Ulme, auch Rüster genannt, ist ein mäßig bis gut zu bearbeitendes Holz, dessen Eigenschaften jedoch abhängig von der Art und den Wuchsbedingungen stark variieren können. Das Holz ist außerordentlich zäh, schwer spaltbar, gut messer- und schälbar und nach entsprechender Dämpfung leicht zu biegen. Verwendung: Die Blätter verwendete man schon im Altertum als Tee und Waschung zubereitet bei allen chronischen Hautausschlägen und Abzessen. Das Holz wird verwendet im Innenbereich, für dekorative Furniere, Fußböden (Parkett, Dielen, etc.), Treppenstufen, Wand- und Deckenbekleidungen, Vertäfelungen, Möbel, Werkzeugstiele, Sportgeräte, Gestellund Gerätebau, früher für Deichseln und in der Wagnerei .

Elsbeere (Sorbus torminalis)
ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Die Gattung Sorbus ist überwiegend in Parkanlagen als Zierbaum und in Mischwäldern anzutreffen und erreicht Höhen bis zu 20m. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden. Die in Europa beheimateten Sorbus Arten bilden eine schwer zu unterscheidende Mischung von reinen Arten und unterschiedlichen Hybriden. Dem Baum wurde eine tiefe mythologische Vergangenheit nachgesagt. So glaubten die keltischen Druiden, daß der Baum Fluch und Unglück fernhalten könne und umpflanzten damit ihre heiligen Opfersteine und Kultstätten. Auch in der germanischen Mythologie galt sie als glücksbringender Baum und war zudem dem Gewittergott Donar (Thor) geweiht. Das überaus begehrte und wertvolle Holz der Elsbeere, das auch als “Schweizer Birnbaum” gehandelt wird, ist sehr hart, homogen und erscheint rötlich-gelb. Verwendung: die leuchtend roten Früchte finden nach dem ersten Frost als Heilmittel gegen Durchfall, Ruhr, als stärkendes und anregendes Herzmittel Gebrauch. Ausserdem lassen sich schmackhafte Marmeladen, Liköre und Kräuterbier daraus zubereiten. Als Tee zubereitet wirken die getrockneten Beeren gegen Heiserkeit und Menstruationsstörungen. Die Rinde kann zum Färben von Wolle und Seide verwandt werden. Ebenso werden daraus hochwertige Furniere für den Möbelbau, Intarsien und stark beanspruchte Instrumententeile wie Dudelsackpfeiffen hergestellt.

Esskastanie (Castanea sativa)
findet man in Südeuropa, Kleinasien und Teilen Nordafrikas. Am meisten trifft man sie in lichten Laubmischwäldern mit nährstoffreichen, tiefgründigen Böden in milden, niederschlagsreichen Lagen. Mit der Rosskastanie hat sie ausser der Form der Früchte nichts gemein. Die Araber bezeichneten die Frucht der Esskastanie, die Marone, als “Schah batullah” was Fürst der Eicheln bedeutet. Die alten Griechen benannten sie “Eichel des Zeus” und tauften den Baum “Kastanon” nach der Stadt wo er in großem Stil kultiviert wurde. Bis zum 17. Jahrhundert war die Kastanie ein regelrechtes Volksnahrungsmittel. In der Schweiz ist der Baum Gegenstand alter Rechtsgebräuche. Neben der Bezahlung von Abgaben mit Kastanien, durfte jeder auf öffentlichem Grund Kastanien zur Selbstversorgung pflanzen und auch weitervererben. In Japan sind Kastanien eine geschätzte Neujahrsspeise. Man nennt sie dort “Kachigure” was Sieg im Kampf bedeutet. Die Kastanie hat eine enorme Wuchskraft und sein Holz ist sehr zäh, hart und unter Wasser äußerst dauerhaft. Verwendung: der bis zu siebenfach höhere Anteil an Gerbstoffen als bei der Eiche wurde bevorzugt zur Ledergerbung eingesetzt. Man erhielt ein äußerst weich und elastisch gegerbtes Leder. Der Duft der Blüten soll aphrodisierend wirken und Blätter und Blüten als Tee oder Tinktur verabreicht werden für entzündete und irritierte Haut, Bronchitis, Keuchhusten oder Krampfadern verabreicht. Das Holz verwendet man für jegliche Konstruktionen im Aussenbereich: Schiffsbau, Dielen und Terrassen, Lawinenverbauungen, Rebstöcke, Zaunpfähle; ebenso für Faßdauben.

Platane (Platanus spp.)
ist mit zehn Arten auf der gesamten Nordhemisphäre verbreitet. Aus der Kreuzung der in Südeuropa, der Türkei und im Iran beheimateten Morgenländischen Platane mit der aus Nordamerika stammenden Abendländischen Platane, ist die europäische Platane hervorgegangen. Die Platane bevorzugt tiefgründige Böden und ist in den Wäldern Mitteleuropas nicht heimisch. Man trifft sie sehr häufig in Parks und als Alleebaum. In den Platanen sah man ein Geschenk der Götter und unter einer Platane soll die Hochzeit von Zeus und Hera vollzogen worden sein. In Persien galt sie als Symbol der Herrscherwürde. Sie galt ebenso als Ort der Gelehrsamkeit, denn nicht selten wurde die weitausladende, schattenspendende Krone von Lehrern wie Schülern gerne zum studieren aufgesucht. Das harte aber nicht pilzbeständige Holz zeigt im Radialschnitt sehr ausgeprägte, dekorative Markstrahlen. Das Holz mit hellem Splint und rötlich bis dunkelbraunem Kern lässt sich gut bearbeiten und es dunkelt auffallend nach. Verwendung: die Blätter dienten früher zum Strecken von Tabak. Das Holz wird im Innenausbau, für Möbel, in der Wagnerei, für Fässer, Fleischerblöcke und Instrumente verwendet. Spiegelfurnier setzt man vorwiegend für Decklagen von Türen, für Maketeriearbeiten und Vertäfelungen z.B. in Eisenbahnwaggons ein.

Walnußbaum (Juglans regia)
ist in der wärmeren gemäßigten Zone der gesamten nördlichen Hemisphäre bis nach Mittel- und Südamerika anzutreffen. Über Griechenland gelangte der Walnussbaum aus seiner ursprünglichen südosteuropäisch-westasiatischen Heimat nach Italien. Er bevorzugt sonnige, milde Lagen mit tiefgründigen und nährstoffreichen Böden. In Italien beehrte man ihn mit dem göttlichen Namen “Jovi glans” (Eichel des Jupiter). Nennenswerte Verbreitung in Europa erlangte der Walnussbaum erst durch die Empfehlung Karl des Großen in seinen Landgüterverordnungen um 800 n.Chr.. Die Früchte wurden seit alters als Sinnbild der Fruchtbarkeit angesehen und sind mit einem stark sexuellen Symbolgehalt geprägt. Im Gegensatz zur glückbringenden Nuss, galt der Nussbaum das ganze Mittelalter hindurch als gesundheitswidriger Unglücksbaum, der der umgebenden Erde ihre Fruchtbarkeit raubte. Bei den alten Griechen wurden die Nüsse zu Hochzeiten als Fruchtbarkeitsförderer und Glücksbringer verteilt. Ab dem 3-5. Lebensjahr trägt der Baum die ersten Nüsse. Sein sehr dekoratives und wertvolles Holz läßt sich hervorragend bearbeiten und polieren. Verwendung: Die grünen Nussschalen werden zu einem Ölauszug als Insektenschutzmittel oder als Essenzen gegen Diabetes, Gicht, Herzstärkung oder mit Honig gekocht bei Halsentzündung verwendet. Rinde und Blätter dienen zum Färben von Stoffen, Haaren oder als Tabakersatz. Das ausdrucksstarke Holz wird für feinen Möbelbau, Gewehrschäfte und Ladestöcke, Schnitzereien und Drechslerei verarbeitet.

Robinie (Robinia pseudoacacia)
ist vor allem in Europa und Nordamerika heimisch, besonders in Südosteuropa. Sie wird aufgrund ihrer Resistenz gegenüber Frost und Luftverunreinigungen mittlerweile weltweit kultiviert. Der mittelgroße Baum erreicht eine Höhe zwischen 12 und 25m, maximal bis 30m und als Pionierbaumart ist er auf trockenen, armen Sanden und auch mit nährstoffreichen Lehmböden zufrieden. Die Robinie ist in der Lage mittels Wurzelbakterien Luftstickstoff zu binden. Sie sind sehr geschätzt als Windschutz und gegen Bodenerosion. Das Holz ist härter als das der Eiche, zäh und äußerst termiten- und pilzbeständig. Frisch eingeschnitten ist das Holz grün-gelb und dunkelt zu einem goldbraunen Ton nach. Verwendung: Besonders geeignet für Außenbau mit und ohne Erdkontakt, Gartenund Landschaftsbau, Kinderspielanlagen und -geräte, Fenster, Haustüren, Wintergärten, Parkett, Dielen, Treppenstufen, Parkett. Ähnlich wie Esche eignet es sich als gutes Biegeholz und aufgrund der Zähigkeit wird es für landwirtschaftliche Geräte und Gartenwerkzeuge verarbeitet; ebenso Möbel, Drechselwaren, Flüssigkeitsbehälter in der chemischen Industrie, Dauben für Fässer und Bottiche, Leiter- und Radsprossen, Turngeräte und für Wassermühlen. Auch wird es in der Gerberei und Färberei als Gerbmittel eingesetzt.

Feldahorn (Acer campestre)
ist heimisch in Mitteleuropa und in den Gebirgen Süd- und Südost-Europas, Nordafrika, Kleinasien und im Kaukasus. Die umfangreiche und bedeutende Gattung der Ahorngewächse umfasst 120 bis 150 Arten, davon 13 europäische. Man findet ihn in Laubmischwäldern der Ebene, ebenso gut wie an Straßenböschungen, Feldrainen und Waldrändern auf mäßig trockenen, nährstoffreichen kalkigen Böden. Der kleinste der Ahorngeschwister besitzt enorme Ausschlagkraft und wird bist zu 100 Jahre alt. Früher nannte man den Baum auch”mäpel” oder “massholder”, was mit dem angelsächsischen “mat” verwandt ist und soviel wie Speise bedeutet. Er war ein bedeutender Nahrungsbaum für Mensch und Tier. Das Holz ist rötlich getönt, sehr fein gemasert und läßt sich gut polieren. Verwendung: Blätter und die milchführenden Blattstiele wurden wie Sauerkraut eingestampft und vergoren und waren ein wichtiges Nahrungsmittel. Das Holz wird gerne für Axt- und Werkzeugstiele verwendet, da es sich besonders weich anfühlt. Drechsler und Schnitzer schätzen seine kompakte Struktur und als verspielt gemasertes Furnier wird es für Intarsien und den Klangkörper der Violine verwendet. Früher wurde daraus eine begehrte Zeichenkohle hergestellt und in Frankreich verwendete man die jungen elastischen Triebe als Peitschen.

Eiche (Quercus robur)
ist in fast ganz Europa, im Kaukasus und im nördlichen Kleinasien verbreitet. Die Gattung umfasst etwa 600 verschiedene Arten auf der ganzen Erde. Eichen sind meist große laubwerfende Bäume, gelegentlich auch strauchig. Viele Arten sind sommergrün, andere immergrün oder halb-immergrün. Die Eiche zählt zu den wertvollsten Holzarten unserer Wälder. Wächst sie geschlossen im Waldbestand auf, bildet sie 20 bis 35m lange, wertvolle Stämme mit Durchmessern von 40 bis über 100cm. Freistehende Eichen sind oft knorrige Baumgestalten, die ein hohes Alter bis über 1000 Jahre erreichen können. Im alten Testament taucht sie mehrmals als Orakelbaum auf und ihre Erscheinung ist Ausdruck von Kraft und Willensstärke. Die Korkeiche des Mittelmeerraumes ist unser wichtigster Korklieferant. Bei Mooreiche handelt es sich um viele 1000 Jahre unter der Erde bzw. unter Wasser luftdicht abgeschlossene Stämme, die sich durch die chemische Gerbstoffreaktion braun bis blau-schwarz verfärbt haben. Bei der veredelten Räuchereiche (Eiche fumée) wird dieser natürliche Prozess durch eine besondere Bedampfung und Trocknung nachempfunden. Verwendung: Der Spruch “auch eine blinde Sau findet mal eine Eichel” erinnert an die Bedeutung als Brotbaum. Eichenrinden-Absud wird bei Hämorrhoiden, Ekzemen oder Frostbeulen angewendet. Aus dem Holz werden hochwertige Furniere für den Möbelbau gemessert. Man verwendet es für Fenster, Brücken- und Wasserbau, Boots- und Waggonkonstruktionen sowie für Parkett, Bier- und Weinfässer.

